Restaurant Adler in Weinstadt-Baach

Bienzle und das Superflädle

Dietz Werner Steck: Vom Schwäbischen überzeugt und als Schwabe überzeugend.

"Hör'sch Hanna, do sage sie noch ,Ade'!" Seine Freude über den Abschiedsgruß einer Gästegruppe im »Adler« zu Baach (Weinstadt) klang herzlich und ehrlich - Schauspieler Dietz Werner Steck war mit seiner Frau Hanna zum Plauder-Menü ins Remstal gekommen - zurück zu den Wurzeln.

Denn immerhin ist er anno 36 im Zeichen der Waage zu Waiblingen geboren. "Ich hab gar nimmer dran gedacht, welch schöne Seitenwinkel das Remstal zu bieten hat", war der Kommentar des Wanderfreundes zu dem beliebten Ausflugs-und Genießer-Flecken am Fuße des Schurwaldes. Und die genüssliche Entspannung leuchtet dem überzeugten Schwaben aus allen Schmunzelfältchen, verbunden mit der Dankbarkeit für seine fürsorgliche Ehegefährtin, die klug den Nachmittag frei disponiert hat und zudem als Chauffeur auch gegen eine zweite Flasche »Ypsilon« für die kleine Tafelrunde nichts einwendet. Einen Probeschluck freilich muss sie sich gönnen - um das Lob des Kenners zu bestätigen, der ja mit knitzem Lächeln und Genießer-Mine für Württemberger Kreszenzen wirbt.

Ein Weinfreund überzeugend auch als "human brand", wie die menschlichen Markenfiguren neudeutsch heißen. Überzeugend zudem die kulinarische Vorfreude auf die original schwäbische Kuttelsuppe, die nach der typischen Adler-Vorspeise "Feldsalat mit geräucherten Forellenfilet" auf Anregung von MVG-Hausherr Michael Kiesel ins Menü eingebaut wird.

"Er liebt das herzhaft Schwäbische über alles - wenn es reell zubereitet ist. Und ich koch auch gerne schwäbisch für Ihn. Aber an Kutteln wag ich mich nicht!", unterstreicht Hanna Steck, die geborene Thüringerin, das Wohlgefallen für die würzigen Innereien. Dafür zollt er wiederum auch ihren Thüringer Klößen ebenso uneingeschränkte Anerkennung wie der Tatsache, dass sie einen exzellenten "Gaisburger Marsch" komponieren kann.

War's schon der dritte Schluck vom edlen Remstäler Roten aus dem Hause K. Haidle - nach dem wir endlich auf Beruf und Berufung des Mimen Dietz Werner Steck zu sprechen kommen. Weil er gerade von der anstrengenden "Vaganten-Tour" - einer Gastspiel-Reise mit einem Stück von Esther Vilar - heimgekehrt ist, bedeutet die Adler-Küche verständlich besondere Genugtuung im Vergleich zur Tournee-Verpflegung.

"Ja in dem Stück ,Tennis' ist mir in einem Quartett von älteren Machos eine besonders bissige Rolle zugedacht. Mit Sprüchen wie: Der Sinn der Ehe ist der Ehebruch!", Frau Steck schmunzelt in der Überzeugung, dass er weiß, was er an ihr hat - und vice-versa.

Ähnlich kontrovers fällt ja auch der Vergleich aus zwischen dem Verhältnis zur Tatort-Gefährtin Hannelore und der Hanna im wahren Leben. Was freilich die Figur Bienzle angeht, so gibt es längst zahlreiche Parallelen zwischen Mensch und Kunstfigur. Seit Autor Felix Huby anno 1990 den Dietz Werner Steck im Stuttgarter Staatstheater im Stück "Ab heute heißt sie Sarah" gesehen hatte, war er mit dem SDR-Fernsehspielchef Werner Sommer einig: "Das ist unser Bienzle!" Und so wie sich zunächst der Schauspieler in die Rolle hinein lebte, so hat längst der Charakter Steck dem Autor Huby in der Gestaltung der Figur beeinflusst: Ein leicht bruddliger, nachdenklicher, naturverbundener, massenscheuer - kurzum ein im guten Wortsinn typischer Schwabe.

"Na zu der Rehkeule mit dem Rahmsößle und den Spätzle passt der Rote wie's Tüpfele auf's i!" Würdigt es die köstliche Küchen-Keller-Kombination und wehrt sich nicht gegen eine neue Weinorder. "Ja für andere Traumrollen bleibt mir kein Spielraum - solange ich als Kommissar beschäftigt bin - auch wenn ich den direkten Kontakt zum Publikum im Theater durchaus schätze. Das sind vielleicht noch die Gene vom Großvater!" Und gleich berichtet er wieder nicht vom dem Götz (in Jagsthausen), dem Richard Wagner (im Musical "Ludwig II") oder den zahlreichen anderen Rollen, die er schon in vier Jahrzehnten verkörpert hat und die er wie den Woyzeck oder den Richter Adam noch spielen möchte.

Mit ihm schwärmt die erste Kritikerin (aber auch engste Verehrerin) vom nächsten Tatort: "'Bienzle und der Taximord' ist sicher einer der besten!" Sein erfreut bestätigendes Nicken gilt allerdings dem Nachtisch, den der Chef persönlich auf Wunsch des Kommissars gezaubert hat "Ah - ganz feine Superflädle mit Sauerkrischen, Orangenfilets und Sahne - ein Finale vom Besten!" Und die schönste Anerkennung für das Gastspiel "Bienzle im .Adler": Es hat fast doppelt so lang gedauert wie ein Tatort - und keiner hat's gemerkt, keinem war's langweilig.

Gasthof Adler · 71384 Weinstadt-Baach · Tel (0 71 51) 6 58 26 · info@adler-baach.de